Gärtnern in der Schublade

Neulich, als ich auf einer kleinen Mauer saß und auf meinen Garten starrte, hatte ich es klar vor Augen. Es ist nicht die Pflanze, die ich konkret vor mir sehe, sondern ehr das, was ich über sie weiß. Ich muss daher meist zweimal hinsehen, wenn ich neue Gärten besuche. Einmal erkenne ich eine Pflanze oder sogar eine Sorte wieder. Das macht erstmal zufrieden und schafft ein bisschen Orientierung über die Vorlieben und die Möglichkeiten hier im Beet. Dann brauche ich aber immer noch einen zweiten Blick, wie denn das Exemplar vor mir tatsächlich ist. Ist es gut gewachsen oder am falschen Ort? Ist es im Wachstum oder kümmert es vor sich hin? Nachdem ich die Kategorie habe, schaue mich das Individuum an. Wie eine gute Behörde. Erst die Einordnung, dann die Einzelfallprüfung.

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